Wie mir Ryan Gosling meine Dates versaut

Für Schöni, dem ich keine prickelnden Dates gönne. Ich möchte, dass er am Valentinstag maximal mit mir Zitronenkuchen isst.

Neulich saß ich bei einem Glas Weißwein, so wie ich es momentan sehr oft tue und dachte über mein Leben nach. Alkoholische Getränke machen mich immer ganz sentimental. Eigentlich ist der Vorgang genau andersrum. Nach ein, zwei Gläschen sollte man sich die Klamotten vom Leib reißen und auf einem Tisch zu Andreas Gabalier twerken. Meine Psyche ist dazu leider nicht fähig. Sollte ich mir Sorgen machen?

Ich habe mir Gedanken darüber gemacht, wie der Trailer zu meinem Leben wohl aussehen könnte. Dieser Clip würde eine Melange sein aus Project X, Stolz und Vorurteil, Sissi und aber auch Youtube-Tutorials, wie man eine Weinflasche ohne Korkenzieher öffnet. Ja, ja, mein Leben ist unfassbar facettenreich. Natürlich würde es in dem Kurzfilm auch um Dates gehen, denn ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal ein Abendessen oder Drinks selbst gezahlt hätte (gekonnte Anspielung auf die Vielzahl meiner Dates).

Denn wenn es um abendliche Verabredungen geht, da spreche ich für die Frauenwelt, werden wir plötzlich zu kleinen Antifeministinnen. Wir lassen uns von unten bis oben betüddeln und alles brav spendieren. Natürlich könnte ich meinen Salat auch selbst zahlen. Ich gehe ja nicht auf Dates, weil ich kein Geld habe, mich selbst zu verpflegen oder weil ich mehr auf ASOS bestellen möchte und auf diese Weise dafür anspare. Ich bin 22 Jahre alt, habe einen Job und komme mehr als gut alleine zurecht.

Trotzdem ist es immer der spannendste Moment einer Verabredung, wenn es nach getaner Konversation und Verköstigung von überteuerten Käseplatten darum geht, die Rechnung zu begleichen. Ihr kennt das bestimmt. Es liegt ein Knistern in der Luft, man greift zum Geldbeutel holt pflichtbewusst ein paar Scheine raus, bis der Typ abwinkt, was dann das Zeichen ist, sein Portmonee wieder in der Handtasche verschwinden zu lassen. Er zahlt. So weit, so gut. Denn insgeheim erwarten wir das. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es zu 90% wie beschrieben abläuft. Einmal gab es die Situation, dass ich mich bei einem ziemlich netten italienischen Restaurant wiederfand, die Flasche Moët vor meiner Nase, frischer Burrata auf meinem Teller (perfektes Setting) und der Typ mir zum Schluss offenbarte, dass er seinen Geldbeutel vergessen hätte. Die Rechnung ging  auf mich. Eine absolut ungewohnte Situation. Es war trotzdem weitaus weniger schlimm, als das Date mit einem wahnsinnig gutaussehenden und erfolgreichen Mann, der zu sächseln begann, sobald der erste Schluck Wein seine Lippen berührte. Zu ihm konnte ich leider keine emotionale Bindung aufbauen. Der Dialekt war mehr als unsexy… Diese Situation war nicht nur ungewohnt, sondern zugleich auch sehr verstörend.

Ich betitele mich durchaus als emanzipiert. Aber wenn es um 1. Treffen geht, würde ich mich mit der Selbstständigkeit einer Amöbe, maximal mit der einer Frau der 1760er Jahre beschreiben.  Ein Vogelbaby besitzt mehr Autonomie. Das Ganze läuft ungefähr so ab:

Er sucht die Location aus, hält die Tür auf, nimmt mir meine Jacke ab, den Stuhl bewege ich ebenfalls nicht, den muss er schon unter meinem Hintern platzieren und er zahlt. Denn wenn er schon dazu nicht fähig ist, wie soll er sich bitte um zahlreiche Topfpflanzen in unserer gemeinsamen Wohnung, geschweige denn um unsere zwei hochbegabten Kinder kümmern? Meine größte Angst ist, dass er von Anstand noch nie etwas gehört hat und ich im Stehen und in voller Jackenmontur essen muss. Ich glaube, ich würde mir mein Essen einpacken lassen und einfach das Restaurant verlassen. Da könnte man sich ja auch einfach gleich auf eine romantische Currywurst im Stehen verabreden. Und derartiges würde für mich nicht mal betrunken in Frage kommen. Vergiss deinen Stolz doch gleich und spüle ihn mit einem großen Schluck Wein aus dem Tetra Pak in der U-Bahn runter.

Ich bin ein Snob und in Datingsachen absolut kompromisslos. Ich gebe es zu. Aber: zu meiner Überraschung durfte ich feststellen, dass ziemlich viele junge Herren eine ausgezeichnete Kinderstube genossen haben. Probs to all their wonderfull parents. Deshalb weiß ich jetzt, dass gutes Benehmen auch von der mir gegenüber sitzenden Seite zu erwarten ist und möchte mich aus diesem Grund nicht mit weniger begnügen. Wenn man einmal die Schokolade hatte, gibt man sich nicht mehr mit faden Reiswaffeln ab. Blöde Frankfurter Lackaffen haben meine Datingansprüche auf ein Ryan-Gosling-mäßiges Niveau katapultiert.

Manchmal wünsche ich mir das Leben vor Frankfurt zurück. Die Zeiten, in denen ich Jive für den feinsten Tropfen auf Gottes Erden hielt. Wäre ich nicht umgezogen, würden meine Dates jetzt vermutlich beim Dönerladen um die Ecke stattfinden. Wir tränken Dosenbier für 1,50€ und hängten unsere Jacken über die Stuhllehne, weil es keine Garderobe gäbe. Und das ist auch wirklich eine schöne Vorstellung, solange er den 3,50€ Döner zahlt.

Ihr seht, ich halte an diesem, für manche von euch vielleicht veralteten, Gedanken fest. Warum ist das so? Liegt es daran, dass ich furchtbar verwöhnt und spießig bin? Im Gegenteil. Es ist mir eine ganze Zeit lang richtig schwer gefallen, mich einladen zu lassen. Ganz einfach, weil man sich in eine gewisse Abhängigkeit begibt. Aber irgendwann habe ich begriffen, dass ein Drink oder Abendessen keine Karibikkreuzfahrt ist. Deshalb steht man sicherlich bei niemandem in der Schuld. Deswegen ist es meine ganz persönliche Challenge, diese Art von Einladungen anzunehmen. Außerdem ist es eine Art Wertschätzung. Er sagt dir damit: „Hey, du bist die Zeit und auch das Geld wert.“ Das ist irgendwie schön, denn es ist wundervoll geschätzt zu werden. Und seien wir mal ehrlich. Die Rechnung hälftig zu teilen, ist wohl noch unromantischer, als am Valentinstag seine Pommes gemeinsam in Ketchup zu tunken, geht es beim Daten im Idealfall doch um eine gemeinsame Zukunft. Die sollte nicht damit starten, dass jeder nur an sich und seinen Geldbeutel denkt. Dafür ist noch genug Platz bei weiteren Dates oder beim Aushandeln des Ehevertrages.

Da lob ich es mir, dass ich am Feiertag der Feiertage mal kein Date habe, im McDonalds sitzen werde und meine Pommes ganz gekonnt und lasziv in Ketchup und Majo gleichzeitig dippe. Mir isst keiner was weg, niemand verurteilt mich und am Schluss kann ich sogar selbst zahlen, weil ich selbstständig as fuck bin. Ab und zu muss man sich das auch nochmal beweisen und der bequemen Amöbe in uns kräftig in den süßen Arsch treten.

Wie dem auch sei, ich wünsche euch allen einen schönen Valentinstag, der für mich seit 4 Jahren zum ersten Mal alleine stattfindet. Lasst euch auf feine Drinks und Kuchen einladen, kauft heiße Dessous und bedeckt euren nackten Körper mit Sushi. Aber vor allem, seid nicht neidisch auf meinen sexy Abend beim McDonalds. Wer Lust und kein/e Freund/in hat, kommt einfach vorbei. Habe einen Tisch reserviert. Es wird so romantisch, wie es der Fritteusengeruch zulässt. Wer die Desserts (McSundaes) zahlt, darüber diskutieren wir allerdings noch. Happy Valentine’s Day! ♥

Comments

  1. says

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