Über Pfandflaschen, verschimmelten Frischkäse und die Qualen des Einkaufs

Sign upDas Leben in einem Singlehaushalt ist schön. Auch wenn der Frischkäse in regelmäßigen Abständen verschimmelt, weil die Packungen scheinbar ausschließlich für Großfamilien hergestellt werden.

Macht nichts, trotzdem geil.

Ich liebe es, für mich einzukaufen, weil ich der Boss über die Einkaufsliste bin. Niemand weiß so gut, was man am liebsten isst wie man selbst. Meine Liste ist autistisch, das lässt sich auf meine Essgewohnheiten projizieren. Habe neulich mal darüber nachgedacht. Ich esse einfach fast jeden Abend Salat. Montags und dienstags mit Tomaten. Mittwochs haue ich richtig einen raus, da steht Ei und Avocado mit Salat auf dem Plan. Donnerstags ist Tofu-Tag, natürlich, wie wäre es anders zu erwarten, mit Salat. Ich bin so einfach gestrickt.

Dieses Leben genieße ich in vollen Zügen. Manchmal esse ich Camembert mit Butter und Avocado und es ist mir egal, dass ich Fett mit Fett und nochmals Fett kombiniere. #superfood

Und dann kam der letzte Samstag. Zuhause bei der Familie. 5 hungrige Leute + Anhang. Eine gnadenlos lange Einkaufsliste und das Zurückbringen des Pfandflaschenvermögens, das sich über mehrere Wochen ansammelte, wollten abgearbeitet werden.

Ich stehe am Wochenende immer früh auf, um den Tag nicht zu verschwenden. Ein Fehler, schlaft so lange ihr könnt, am besten bis der Supermarkt schließt.

Ich war also das einzig wache Kind in halbwegs fahrtüchtiger Verfassung, das nun losstiefelte um Mission Einkauf in Angriff zu nehmen.

Pfandflaschen sind so für den Arsch. Ich habe mein Leben in Italien geliebt, weil es dort nicht mal Mülltrennung gab. Der Punkt Flaschen wegbringen, stand dort niemals auf meiner Agenda.

La dolce pfandflaschen vita.

Klar ist es wichtig, Müll zu reduzieren, aber Pfandautomaten sind Sklaventreiber. Ständig muss man Personal rufen, weil ein Fläschchen krumm in der Röhre liegt oder der Container voll ist. Dann sind die Flaschen zu verbeult oder der Automat hat seine Tage und einfach keinen Bock. Kommt ggf. auch öfter als einmal im Monat vor. Einwegflaschen passen nicht in den Mehrwegautomat und umgekehrt. Stresslevel 100. Aber irgendwie geht es.

Weiter mit dem Rest. Der eine möchte vegane Leberwurst, auch genannt Lebenswurst, der andere Sardellen im Glas oder veganen Fleischsalat. Los ging die Supermarkt-Odyssee. Wie anstrengend es ist, die Essgewohnheiten der anderen Menschen zu berücksichtigen, hatte ich in zwei Jahren alleine wohnen wohl vergessen. Andererseits wollte ich auch nicht, dass jemand weint, wenn ihm/ihr beim Frühstück der O-Saft fehlt, weshalb ich die ganze fucking Liste mühevoll abarbeitete.

Es gibt diese wohlbedachten Menschen, die immer einen Leinenbeutel aus der Handtasche zaubern und ad hoc zum Transport von allen gekauften Lebensmitteln bereit sind. Ich gehöre nicht zu diesen Menschen. Ich bin der „komm zu mir nach Hause und schau dir meine unfassbare Rewetütensammlung der letzten 20 Jahre an“ –Typ. Das funktioniert bis dato auch ganz gut, weil ich für meinen Hauseinkauf maximal eine Tüte benötige. Aber nun stand ich an der Kasse des heimischen EDEKAs, ohne Tüte. Und anstatt welche zu kaufen und sie direkt mit dem Erworbenen zu bestücken, war ich einfach mit dem Leben viel zu sehr überfordert. So packte ich den Einkauf auf das Band und von dort wieder in den Wagen und garnierte den Einkauf zum Schluss mit den Tüten. Stresslevel an der Kasse: unermesslich. Und ständig die Stimme meiner Mutter im Kopf: „Die harten Sachen müssen nach unten!“ Dieser Satz relativiert das Ganze und macht es noch unermesslicher.

Das Ende vom Lied: Sophie packt den Einkauf erneut aus dem Wagen in Tüten, um ihn endlich ins Auto verladen zu können. Einkaufen für andere ist furchtbar anstrengend, ich habe Respekt vor jedem, der das besser hinkriegt. Schrittzahl am Samstag, irgendwo bei 11.000. Habe mir nach dem Debakel erstmal Frischkäse gegönnt.  Aber das Schöne war, dass ich es im Kreise meiner Familie tat.

Happy End

 

Fotoquelle: stern.de

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Comments

  1. says

    Oh mein Gott, was hast du für einen fabelhaften Blog? Dein Schreibstil haut mich gerade um – da er mich so oft ins schmunzeln gebracht hat!! Das macht dich super symphatisch 😀 i

    Weiter so meine Liebe – aaah deine Artikel bereiten mir gerade wirklich Freude!!

    Musste das loswerden 😉

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