„Lass es, schreib ihm nicht“

Ich sitze am Tisch und warte auf deine Nachricht. Nicht mal eine Bestimmte, sondern auf ein Irgendetwas. Ein „Hi, wie gehts?“ oder so. Und alles, was ich schon den ganzen Tag tun will, ist dir zu schreiben, weil ich dich unendlich vermisse. Ich will wissen, wie es dir geht, ob dein Frühstück geschmeckt hat, dein Auto angesprungen ist, was du für den Tag geplant hast, für das Wochenende, für dein Leben. Egal was du schriebst, es wäre gut.

Aber du tust es nicht.

Und mir bleibt nichts anderes übrig, als die Stimmen meiner Freundinnen im Kopf zu verfolgen, die mir raten: „Lass es, schreib ihm nicht. Er muss es tun, er muss nach dir fragen. Sonst wirkst du verzweifelt und needy und das bist du nicht.“ Mach dich rar, dann bist du ein Star. Und ich weiß, dass es funktioniert, ich weiß es, weil ich Beziehungsratgeber studiert habe und Matthew Hussey mein Spirit Animal ist, obwohl ich das Gegenteil zu tun fühle. Ich weiß, was für Folgen es hat, jemandem zu früh zu viel zu schreiben.

Aber du bist nicht jemand. Du bist alles. Alles, was ich will, das bleibt.

Deshalb schreibe ich dir nicht, weil ich mir wünsche, dass du zumindest nicht vollständig gehst und das Märchen von uns vielleicht teilweise wahr wird.

Mach aus dem Konjunktiv ein Präsens und dem „Vielleicht“ ein „Gewiss“.

Dir nicht zu schreiben, schmerzt mich, weil es sich falsch anfühlt, obwohl mir jeder sagt, dass es richtig wäre. Also tue ich das meiner Logik widerstrebende, um zu gewinnen, was so lange gegen meine Logik war. Nämlich dich.

Und jedes Mal, wenn sich dann doch ein „Hallo, wie war dein Tag?“ auf mein Smartphone verirrt, bleibt mein Herz fast stehen, obwohl du das Einzige bist, für das sich sein Schlag lohnt.

Ich will dir sagen, wie es wirklich um mich steht. Dass mich heute schon wieder alles an dich hat denken lassen, dass ich bei dir sein will und mich frage, was du gerade machst. Ohne mich, weil du mich nicht vermisst. Was ich tun kann, damit du es tust. Dass aus dem „mir“ und „dir“ ein „uns“ wird.

Ich formuliere meine Antwort auf dem Handy.  Zwei Stunden später, damit du nicht merkst, wie es mir wirklich geht und wie sehr ich dich brauche.

schreibt… schreibt…löscht…schreibt…„Hi, mir gehts gut.“

 

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