Ein bisschen Glück

IMG_1104Was ist Glück? Manchmal bedeutet Glück das zu bekommen, was man sich lange gewünscht hat. Manchmal bedeutet es Freude über das Erlebte. Es sind Menschen in deren Gegenwart wir glücklich sind. Auch To-do-Listen abzuhaken macht uns glücklich. Glück ist Popcorn und Chips auf der Couch, während der Bachelor in die Kamera lispelt.

Ich möchte euch jetzt von meinem ganz persönlichen Glücksmoment der letzten Tage berichten, der auch irgendwie maximal peinlich war.

Ein Erlebnisbericht:

Donnerstagmorgens 10:32, ein Anruf. Ich nehme ab. „Hey, was hast du heute Abend vor?“ Eigentlich hatte ich nichts vor. „Gut, denn ich habe Karten gewonnen, für die Oper.“ – Okay cool, zugesagt.

Ich arbeite direkt neben dem Laden, der sich Alte Oper nennt und jetzt war die Gelegenheit, das schöne Wahrzeichen bei einer guten Dosis Rachmaninow und Strauss auch mal von innen zu betrachten.

Ich habe mich wirklich total gefreut. Und diese Freude teilte ich mit meinen Kollegen. Bis der folgende Satz viel:

„Und da willst du so hin?“ Ihr müsst euch den Satz in einer wirklich sehr unterschwellig abwertenden Betonung vorstellen, die vielleicht nur weibliche Wesen wahrnehmen können. Für alle Männer: Es war schlimm.

Wie, wie will ich da hin? Was ist das denn für eine Frage. So wie ich bin vielleicht? Aber wie war ich denn?

Es gibt Leute, die gehen in Ballkleidern in die Oper. Zu diesem Typ Menschen gehöre ich nicht. Ich bin eher die Person, die morgens am Handy erfährt, dass sie direkt nach der Arbeit rüber in die Oper schlurft. In Jeans und Rolli. Kein schwarzer Pullover, oh Gott, das wäre ja viel zu gedeckt. Es musste schon ein blau-weiß geringelter sein. Ich habe mich nicht mal getraut meine Jacke an der Garderobe abzugeben. Die war wenigstens einfarbig (grün). Lief ich lieber schwitzend damit rum, als den Matrosen zu mimen. Ach und meine Jeans war übrigens stechend hellblau. Sehr stechend. Stechend, stechend, hell, hell, hell, sehr hell! Der Weg vom Eingang in den großen Saal war ein Spießrutenlauf.

Aber es sollte noch schlimmer kommen. Wir zeigten die Tickets und gingen zu unserem Platz. In der fucking 6. Reihe. Direkt vorne an der Bühne. Zwischen den gesamten Vorständen aller Frankfurter Banken. Das sind die im maßgeschneiderten, schwarzen Anzug. Ebenjene bringen ihre Gattinnen mit, die zwecks Besuchs in der Oper extra beim Frisör waren und Handtaschen tragen, welche teurer als mein Auto sind. Ich fiel somit also nicht weniger auf als Bibis Beautypalace zwischen 14 Jährigen. Um es anders zu formulieren: Ich viel sehr auf und ich hatte meine Haare nicht mal gekämmt. Underdressed wäre an dieser Stelle eindeutig untertrieben gewesen.

Meine letzte Hoffnung war das Licht. Im Kino geht auch immer das Licht aus, sobald der Film beginnt. Ich kann euch trösten, in der Oper bleibt es an. Es wird nur ein bisschen gedimmt. Das ist edler. Das Orchester muss ja die Noten noch sehen. Können die das nicht auswendig lernen?

In der Pause bin ich sitzengeblieben um unauffällig in meinem Sitz zu verschwinden. Aber das war gar nicht mal so einfach. Weil mich einfach mal 3 Leute gespottet haben, die ich kannte und sie mich, weshalb ich brav aufstehen musste, um hallo zu sagen. In Jeans und Ringelpulli. Das war so peinlich.

Als ich in der U-Bahn auf dem Weg nach Hause saß, war ich zum ersten Mal froh an diesem Ort zu sein. In der alten, gammligen Bahn fühlte ich mich glücklich. Denn das Konzert war in meiner Erinnerung schön und ich fiel nicht mehr negativ durch meine Jeans-Leuchtkraft auf.

Jeden Tag schaue ich auf diesen wunderschönen Kollos, der sich Alte Oper nennt und schmiede Pläne meiner Rückkehr. Eines Abends werde ich dort im Ballkleid auflaufen. #mithochsteckfrisur

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