Die erstaunliche Wahrheit über das Erwachsen sein

thumb_IMG_0753_1024Die Freude war riesig, als ich in meine erste eigene Wohnung zog. In ein neues Bundesland, in eine neue Stadt. Alles war neu. Neu ist toll, weil es aufregend ist.

Kurz vor meinem Auszug habe ich geträumt wie es so wäre mit neuen Leuten, coolen Kneipen und Klamottenläden en masse. Ich wusste nicht wie es werden würde, jedenfalls, und da war ich mir sicher, es würde gewiss großartig.

Nach über einem Jahr ziehe ich Bilanz:

Ohne Zweifel, ich habe neue Leute kennengelernt, tolle Menschen. Ich war in Restaurants dessen Gerichte ich nicht aussprechen kann, geschweige denn bezahlen und ich bin überall ohne Auto hingekommen. Für die letzten Monate bin ich sehr dankbar.

Trotzdem habe ich mir das alles so anders vorgestellt. Denn in Wirklichkeit bedeutet in eine neue Stadt ziehen nämlich auch folgendes:

Die Menschen, die einen wirklich gut kennen, sind weg. Es gibt neue Leute, die eigentlich überhaupt nicht wissen wo du herkommst, sondern nur wer oder was du im Moment bist. Und das ist ja auch irgendwie aufregend. Nur ist es ein bisschen unentspannt.

In meiner Vorstellung ging ich jeden Abend aus.

Nope. So ist es nicht. Eine neue Stadt bedeutet viel noch nie Dagewesenes. Die Einsamkeit ab und zu eingeschlossen.

Ein kuschliges Café am Marktplatz? Ebenso Fehlanzeige. Die Bedienung kennt deinen Namen nicht. Cafés müssen hier irgendwie hip sein, einen Barista haben und viel zu viel Geld kosten.

Apropos teuer. Einkaufen ist teuer. Und einkaufen bedeutet eigentlich nur recht selten Klamotten, weil die Fütterung des Kühlschrankes Priorität hat. Der Kühlschrank ist so ein fucking Raubtier. Das war bei Mutti anders. Da gab es Essen in Hülle und Fülle und abends stand das Mahl schon dampfend auf dem Tisch. Ich möchte nur kurz erwähnen, dass ich „zuhause“ sogar die Wahl zwischen verschieden Salzsorten hatte. Nur mal so am Rande. Spülmaschine ausräumen war dann mal die Höchststrafe. Ach ne, Müll rausbringen war schlimmer. Weil dazu musste man rausgehen.

Jetzt schlage ich mich mit Strom- und Gasanbietern rum, lese Zählerstände ab, kümmere mich um die Einrichtung des WLANs, melde GEZ an, schmeiße den ganzen Haushalt alleine (Spülmaschine ausräumen inklusive) und schraube sogar Lampen an Wände. Bei Letzterem wäre ich fast gestorben, weil ich die Drähte falsch verbunden habe. Oooops.

Klingt eigentlich alles gar nicht mal so toll.

Trotzdem bin ich froh, dass ich nicht wusste, was auf mich zukommt. Sonst hätte ich das nämlich nicht gemacht. Dann hätte ich niemals mein Nest verlassen und niemals einen Vergleich. Und würde mich auch nie so erwachsen fühlen, wie ich es jetzt tun kann. Ich glaube das muss so sein, das gehört einfach zum Leben dazu. Diese Phase des Austestens, Entdeckens und ab und zu auch mal auf die Fresse-Fliegens.

Und Bitch, wer kann schon von sich behaupten, dass er eine Gu10-Birne wechseln kann und sogar das passende Zubehör zuhause rumliegen hat? Punkt für mich. #callmechucknorrisdeshaushalts

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