Deutsche Bahn, am Rande des Wahnsinns

IMG_2443Das gute an einem Blog ist, dass man seinem Ärger Luft machen kann. Und das ist bitter nötig, denn ich hasse die Deutsche Bahn.
Vielleicht erinnern sich die „alten Hasen“ noch an meine Bahn Lovestory. Inzwischen bin ich stolzer Besitzer eines schnuckeligen Kleinwagens und finde mich nur selten an Bahnhöfen wieder. Aber so ganz darum herum kommt man manchmal nicht.

So passiert neulich. Mit einer gewissen Problematik begab ich mich zum Bahnhof. Ich brauchte nämlich ein spezielles Ticket, das ich in Kombination mit meiner Frankfurter Jahreskarte nutzen kann und so weniger zahle. Nur weil ich seit langer Zeit keine Bahn mehr gefahren bin, griff die Ticketautomaten-Demenz. Ich wusste nicht, wie man dieses Anschlussticket löst. Die erste Bahn war da schon einmal verpasst. Jetzt hatte ich nochmal eine halbe Stunde, um herauszufinden, wie man diese blöde Fahrkarte zu lösen hat.

Erste Anlaufstelle war der Deutsche Bahn Infoschalter, der mich an einen zweiten Infoschalter verwies, welcher mich an einen dritten Infoschalter verwies… Und zack, nur noch 20 Minuten bis Abfahrt. Ich wurde zu einem anderen Infodesk verwiesen, an dem man sich ein schönes Zettelchen zieht und dann Jahrhunderte wartet, bis man aufgerufen wird. Diese Zettel-Ewigkeit erschien mir länger als die paar Minuten, die ich noch hatte. Ich entschied mich dagegen und watschelte zurück zum Gleis, um einen Schaffner zu suchen. But ain’t no Schaffner.

Es waren inzwischen weitere 10 Minuten vergangen. Ich ging das Gleis auf und ab und suchte nach Hilfe. Quatschte Leute am Ticketautomaten an, ob sie denn wüssten, wie das ginge. Kein Erfolg. Und die Uhr tickte. Kurzzeitig überlegte ich mir, ob ich einfach den Normalpreis bezahlen sollte. Aber „holy mother of bahntickets“, 20 Euro, 60 % mehr als mein geplantes Anschlussticket. Das ist ein Drittel meiner Maniküre. Auf gar keinen Fall. Der Nagellackgott hat „nein“ gesagt!

Vier winzige Minuten bis Abpfiff und ich entdeckte eine Schaffnerin.

Es gibt zwei Sorten von Zugbegleitern. Jene, die sich damit abgefunden haben tagein, tagaus Fahrkarten abzustempeln, verdammt freundlich sind und sogar noch pfeifend Tickets im Zug ausstellen. Sie tragen ihr DB-Kostüm mit Stolz und das ist auch gut so.
Und dann gibt es noch die gefrusteten Arschloch-Schaffner. Exakt dieser Typus hatte gerade im RE 4971 Dienst. Die Dame wollte mir partout nicht sagen, welches Ticket es benötigt, um in den genannten Regional Express zu steigen. Sie wollte mir auch keine Fahrkarte im Zug ausstellen. Sie wollte eigentlich nicht mal mit mir reden. Sie wollte nicht hilfsbereit und freundlich sein. Sie wollte einfach nur stänkern.

Kennt ihr die Szene in Sex and the City, in der Charlotte Mr. Big wieder trifft und versucht, ihm das fieseste zu sagen, was sie sich nur vorstellen kann? Nämlich: „Ich verfluche den Tag deiner Geburt.“ Ähnlich souverän hätte ich eben dieser Kontrolleurin gegenüber treten sollen. Ich hätte in den Zug steigen und etwas wirklich Boshaftes sagen müssen: „Sie elende Schreckschraube. Ihr Leben ist wahrscheinlich furchtbar deprimierend, aber geben Sie den Passagieren nicht die Schuld. Wenn Sie mir bitte noch ihren Namen verraten würden, damit ich Sie bei Ihrem Chef anschwärzen kann? Übrigens, die Farbe ihrer Fingernägel passt so gar nicht zur Dienstkleidung.“ Baadaboom! -Fantasie Ende-
In Wirklichkeit sagte ich: „Also muss ich jetzt nochmal zur Info und erneut nachfragen und kann dann erst den nächsten Zug nehmen? Okay, danke.“ Ich kann von Glück reden, dass sich dieses Szenario nicht in England zugetragen hat, sonst hätte ich vermutlich noch ein Madame an das Satzende geklatscht. Ja, ja Beherrschung wird im Hause Kunkel großgeschrieben. Ich winkte dem, aus dem Bahnhof rollenden, Zug mit meinem Taschentuch hinterher und weinte bitterlich, weil ich jetzt nochmal 60 Minuten warten musste. Eine Omi bot mir Schokolade an, die Bahnhofsmission fragte, ob alles okay sei und nach 10 Minuten war es das auch.
Ich nahm den Zug eine Stunde später. Maulen ist bei der Deutschen Bahn zwecklos. „Das Glas ist halb voll“ ist mein Antiaggressions-Mantra.

Epilog

Und so durfte ich gegen 20.00 Uhr, umgeben von miefenden Zugsitzen und nicht funktionierender Heizung, den schönsten Sonnenuntergang, den ich je gesehen habe, genießen und Frieden schließen. Der Sonnenuntergang war lila. Wie die Haare der Schaffnerin. Ob sie weiß, dass sich das mit blau und rot sticht? #evil

Comments

  1. Malm says

    Brutal! Ich will mir gar nicht die Nägel dieser Schaffnerin vorstellen. Badabooom Wenigstens war das Glas nun halb voll mit deinen Tränen.

  2. Friederike says

    Ich bin früher täglich mit dem Zug zur Arbeit gependelt und auch für längere Fahrten meistens die Bahn genommen. Nun fährt mein Golf mich zuverlässig überall hin. Und das ist gut so! Beinahe tägliche Verspätungen und unfreundliche Mitarbeiter (im Zug und an der Hotline) habe ich aber irgendwann einfach nicht mehr ertragen . Hass ist echt ein hartes Wort, aber auch ich habe die Bahn hassen gelernt!!!

    • First Pug says

      Irgendwann kann sich selbst die Deutsche Bahn nicht mehr jeden Spaß erlauben. Aber es gibt ja inzwischen ganz gute Alternativen, ob Auto oder Fernbus. Sogar Radeln ist besser, als die Bahn 😀

  3. says

    Vielen Dank, dass du mich gerade so zum Schmunzeln gebracht hast. So genial geschrieben und ich hab wirklich mit dir gefühlt. Mit Öffis hab ich auch schon die spannendsten Geschichten erlebt und dass ist wirklich das feine am „Blogger“ Dasein, man kann sich so richtig schön über so Erlebnisse auslassen und man selber fühlt sich auch nicht mehr ganz so allein mit diesen Horrorgeschichten. Toller Beitrag und wie gesagt: danke fürs zum Lachen bringen, so hat dich Geschichte ja auch noch was Gutes, alles Liebe, x S.MIrli (http://www.mirlime.com)

    • First Pug says

      Freut mich, dass der Text dir gefallen hat 🙂 Das mit dem zum Lachen bringen ist so ein schönes Kompliment! Danke dir ♥

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