Auf, auf zu neuen Ufern!


Lang ist es her, dass hier etwas veröffentlicht wurde. Lang genug, meiner Meinung nach. Es gab viele Fragen um das Warum dieser Pause. Ich habe wirklich heftig darüber nachgedacht und dies ist meine Antwort:

Manchmal stellt man Sachen in Frage, die einem vorher Freude bereitet haben. Und dann entscheidet man sich, ob man damit weiter macht oder ob man die Frage in die Ecke stellt und ihr auf diese Weise eine Abfuhr erteilt. Meine Problematik stand dort wie folgt: Warum blogge ich überhaupt noch, worin liegt für mich dabei der Sinn, was möchte ich erreichen?

Ich habe die letzte Zeit so viele Text geschrieben wie noch nie zuvor, weil es meine Art ist, Probleme zu bewältigen oder gar zu lösen. Diese Texte habe ich nur für mich geschrieben, weil ich nicht möchte, dass dieser Blog eine zu große Plattform für leidige Probleme meinerseits wird. Trotzdem möchte ich das „für euch Schreiben“ nicht missen, weil wir oft Spaß zusammen hatten und es mich erfüllt. Es wurde abgewogen und schließlich bin ich, trotz Zweifel, wieder hier gelandet, in relativ alter Frische.

Statt den üblichen Themen wie Tinder, Liebeskummer und Dating geht es heute mal um Schuhe von Sacha. Und weil ich diesen klassischen Blogeinträge selbst überhaupt nichts abgewinnen kann, in denen es nur darum geht, wer sich was Neues gekauft hat und man einfach nur auf ein Linkziel hinarbeitet, machen wir eine Metapher daraus, die beschreibt, welche Gedanken mich die letzte Zeit begleitet haben. Meine Schuhe haben mich im vergangenen halben Jahr durch die verschiedensten Situationen getragen. Ich bin in eine Wohnung mit perfekter Einbauküche gezogen, habe nun einen richtigen Job, viele neue Menschen kennengelernt, ich habe gelernt, Chardonnay geschmacklich von Riesling zu unterscheiden, habe mir einen neuen Fernseher gekauft und habe mit einer Bohrmaschine ein Loch in die Wand gebohrt, Dübel und Schraube darin versenkt und ein Bild aufgehängt, ich habe Geld für neue Sommerreifen und frische Bremsbeläge ausgegeben, und mir zudem überlegt, eine Katze zu kaufen, um nicht alleine Bachelorette schauen zu müssen. Kurzum: ich bin 23 Jahre alt und fühle mich nun maximal erwachsen. Ich kann euch sagen, dass mir die Situation beschissene Angst macht. So sehr, dass ich beschlossen habe, vielleicht neue Wege einzuschlagen. Mir geht der Wunsch nach einem Studium nicht mehr aus dem Kopf, denn die letzten Monate gaben mir ein Gefühl einer Endgültigkeit, auf die ich mich einfach noch nicht einlassen kann. Und wenn ich ein Wandtattoo in meiner perfekten Küche hätte, dann würde jener Spruch meine Gefühlslage vergangener Tage wohl am besten beschreiben: „Willkommen im Hamsterrad des Erwachsensein.“

Ich weiß nicht, wie es euch damit erging, Studium oder Ausbildung abzuschließen. Vielleicht beschlich euch ebenso das Gefühl der unwiderruflichen Verbindlichkeit, weil man zu spät bemerkte, dass der Beruf doch keine Berufung ist, dein Umfeld krank macht und  dich deine Schuhe in eine Sackgasse geführt haben.

Ich war leider nie die Sorte Mensch, die in der Grundschule schon wusste, was sie werden wolle. Diese versierte Spezies beneide ich. Erspart einem wohl viel Bullshit, Brainfucks und vor allem Zeit. Manchmal sitze ich alleine in meiner Wohnung und während ich mit meiner einzigen Pflanze um die Wette welke, kommen mir Gedanken darüber, ob mich diese Art Leben, das relativ abgesichert und vorhersehbar verläuft, wirklich das ist, was ich mir von meiner Zeit auf Erden erhoffe und ob es mich vollständig erfüllt. Beides kann ich nicht restlos mit „ja“ beantworten, nicht einmal halb, nicht einmal ansatzweise. Aber wenn ich in der letzten Zeit eins gelernt habe, dann, dass meine Küche geräumig genug für ein weiteres Wandtattoo wäre. In deutlich größerer Schrift stünde dort: „Move, you are not a fucking tree.“

Die nächsten zwei Wochen werde ich auf Mallorca verbringen und die einzige von mir auferlegte Aufgabe ist, nebst unfassbar braun zu werden und Getränke lediglich aus Eimern zu trinken, eine Entscheidung zu treffen, wohin es für mich wirklich gehen soll. Ich schlage einen Richtungswechsel vor. Und egal wohin es geht, ob mit alten Vertrauten wie meinem Blog oder neuen Wegbegleitern, vertraue ich darauf, dass ich sicheren Fußes ankomme. Auf, auf zu neuen Ufern mit Schuhen, die sich gewaschen haben.

PS: Weil Schuhwerk nicht immer gleich Metapher ist , hier der Link zu dem Exemplar, das ich trage. 

Comments

  1. Nils says

    Du schreibst wahnsinnig erfrischend und direkt, aber auch mit viel Gefühl, Witz, Selbstironie und einem gehörigen Schuss Lebensenergie! Macht Spaß zu lesen! 🙂

  2. Loryess says

    Ach, du sprichst mir so aus der Seele.Unfassbar. Als ich mein Abi beendet habe, hatte so ziemlich jeder gewusst,wohin mit der Reise außer mir selbst. Nach dem Abi habe ich mich zum ersten Mal in meinem Leben so wirklich gefragt “ wer bist du eigentlich, was kannst du und wohin willst du hin?“ Und nun mache ich eine Ausbildung, welche nicht schlecht ist und ja- sie macht sogar Spaß, aber trotzdem frage ich mich immer wieder: Soll das nun der Rest meines Lebens sein. Jeder Tag ist irgendwie der selbe, etwas fehlt… und ich weiß auch nur noch nicht was.

    • First Pug says

      Du hast so recht und so geht es mir auch. Jeder Tag ist das Gleiche, mit Abweichung des Wetters… Und ich finde, das kann es einfach nicht gewesen sein. Also nur Mut. 🙂

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